Ernährungsrat für den Landkreis

Einen Ernährungsrat für den Landkreis – Der Samen ist längst gesät

Der Samen – einen Ernährungsrat für den Landkreis zu gründen – wurde auf der ersten Regionalkonferenz im April dieses Jahres gelegt. Dort wurde in Gruppen zu verschiedenen Themen diskutiert, wie es gelingen kann, den Landkreis auf dem Weg in die Nachhaltigkeit zu unterstützen. Eine Gruppe, unter der Moderation von Michaela Bock, AGENDA 21-Büro im Landkreis, befasste sich mit denkbaren Mahnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Ernährungsweise. Unter den zahlreichen Vorschlägen wurde der Wunsch nach einem Ernährungsrat laut, der von allen stark gewichtet wurde. Schließlich bräuchte es eine Instanz, die die bereits bestehende und noch hinzu kommende Ernährungsarbeit koordinieren, bündeln und vernetzen wolle, so der Tenor. Der Samen war gesät.

Erste Gesprächsrunde im Landratsamt folgte

So stand bereits ein Keimling auf dem Tisch einer ersten Gesprächsrunde, zu der Michaela Bock zu sich ins Landratsamt geladen hatte, um dieses Anliegen zu konkretisieren. Hier diskutierten Vertreter von Slowfood, Brucker Land, AGENDA 21 Kreisen, Umweltpädagogen, BUND und ein Vertreter des Kreisrates darüber: Braucht der Landkreis einen Ernährungsrat? Und wenn Ja? Wie ist er zu stemmen?  Mit Wem ist er besetzt? Und Wo verortet? Wusste doch jeder der Teilnehmer um die vielfältigen Aufgaben, die auf den einzelnen zukommen, würde er oder sie sich entschließen, diesem Rat aktiv beizutreten. Man sei ja bereits mit Ehrenämtern stark ausgelastet. Aber noch ging es ja um ein erstes Abklopfen der Machbarkeit, der Umsetzbarkeit. Soll der Sprössling überhaupt weiterhin gepflegt werden? In einem aber waren sich die Teilnehmer fast ausnahmslos einig: Es brauche in jedem Fall eine offizielle Verortung. Am Ende nahm Michaela Bock den sprießenden Keimling mit in ihr Büro, trug das Stimmungsbild, die Vorschläge, Anregungen und Bedenken zusammen und machte sich mit dem inzwischen zur Jungpflanze herangewachsenen Pflänzchen auf den Weg ins Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nach Puch. Dort wollte sie sich eine Einschätzung einzuholen, wie es um die Chancen, einen Ernährungsrat im Landkreis zu gründen, bestellt sei. An entsprechender Stelle traf sie auf Gisela Schaelow, Fachzentrumleiterin des AELF. Wenig später topften beide die junge Pflanze in ein größeres Gefäß mit nahrhafter Erde und luden  gemeinsam zu einem zweiten Treffen ein. Diese Mal im Hause: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Puch.

Zweite Gesprächsrunde im AELF

(Quelle: Protokoll vom 21. Nov.2016, erstellt von Brigitte Thema)

Zunächst begrüßte Hans-Jürgen Gulder, Behördenleiter vom AELF, die 28 interessierten Gäste mit jeweils unterschiedlichen Zugängen zum Lebensbereich Ernährung, die der Einladung gefolgt waren, in „seinem Haus“. Michaela Bock und Frau Schaelow unterrichteten über die Vorgeschichte, den bisherigen Verlauf und brachten die Beteiligten auf einem gemeinsamen Wissenstand. Dr. Bartels von Slow Food erläuterte die Arbeit eines Ernährungsrates, deren Wurzeln und Geschichte, stets mit Bezug auf die bereits aktiven Ernährungsräte aus Berlin und Köln. Welche Ziele verfolgen sie dort? Wie sind deren Strukturen? Was planen sie an Aktivitäten? Schließlich müssen man das Rad nicht neu erfinden, könne von deren Erfahrungen profitieren. Ernährungsräte sind inzwischen weltweit aktiv und können sowohl zivilgesellschaftlich als auch kommunal organisiert sein. Auf Landkreisebene wäre ein Ernährungsrat der erste!

Ein Ernährungsrat auf Landkreisebene wäre der erste!

Man sei sich auch bewusst: Ernährungspolitik wird quasi von oben nach unten gemacht, also auf Bundes-, Länder-, EU-Ebene. Ernährungsräte arbeiten jedoch von unten aus: d.h. vor Ort und regional, auf kommunaler Ebene. „Sie forcieren also einen Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Erzeugern, Vertrieben und dem Verbraucher, um so langfristig und nachhaltig Strukturen einer regionalen Lebensmittelversorgung zu stärken.“ (Homepage: Ernährungsrat Köln)

Im Anschluss wurde angeregt diskutiert, wobei die Tendenz, die junge Pflanze weiterhin zu gießen und zu düngen, überwog. Denn ein Ernährungsrat brächte neuen Schwung in die bereits seit langem in Ernährungsfragen aktiven Organisationen wie Brucker Land. Mit einem Ernährungsrat könnten mehr Bürger mit dem Thema „bewusster Ernährung“ erreicht werden, wenn sich die bereits aktiven, jedoch individuell arbeitenden Kräfte bündeln und vernetzen ließen. Nicht zuletzt um das politische Gewicht zu erhöhen. Eine Bildungsleistung in Sachen „Ernährung“ sei wichtig, um (wieder) eine Beziehung zum Land zu bekommen und ein Bewusstsein für die Lebensmittel, die jeder von uns, ob Jung oder Alt – zu sich nimmt, zu schaffen.

Ein Konzept muss her

Konform gingen alle Diskutanten: Die Politik sei von Anbeginn mit ins Boot zu holen, wenn der Ernährungsrat auf festem Sockel stehen soll. Jedoch dazu brauche es ein schlüssiges Konzept, über das abgestimmt werden kann. Alle Beteiligten brauchen eine Struktur, um dann auch zeiteffektiv und verbindlich arbeiten zu können. Unterstützung kommt auch von Frau Rike Stromeyer vom Regionalmanagement. Sie arbeite bereits an einem regionalen Einkaufsführer, finanziert durch Projektgelder.

Ein Gründungsausschuss entsteht

Am Ende der zweiten Gesprächsrunde gingen die Teilnehmer mit der Hausaufgabe nach Hause, sich für ein drittes Treffen mit den Konzepten von Berlin und Köln auseinander zu setzen, die jedem via Mail zugesendet wird, um sich darüber Gedanken zu machen: Welche Teile passen für unseren Landkreis? Welche eher nicht? Vor allem: Was sind „meine“ umsetzbaren Vorschläge?

Um gleich Nägel mit Köpfen zu machen, gründete sich noch am selben Abend ein Gründungsausschuss, bestehend aus 10 Personen, der sich voraussichtlich im Januar 2017 zusammenfinden wird.

Frau und Herr Degen
Thomas Börkey-Biermann (Ökoring)
Ein(e) Vertreter(in) von Brucker Land
Dr. Richard Bartels (Slow Food)
Frau Paunert, (Haus der Begegnung Olching)
Ein(e) Vertreter(in) von BN oder LBV
Frau Schaelow (AELF)
Frau Bock (Agenda 21 Büro)
Herr Stegmann (LRA)
Ein(e) Vertreter(in) der Landwirtschaft (noch anzufragen!)

Ansprechpartnerinnen zu Fragen, Vorschlägen, Anregungen, Kritik sind:
Michaela Bock: 08141 – 519-336 und Gisela Schaelow 08141 – 32223-340

Und wie geht es unserer Pflanze? Ich denke, sie hat mittlerweile einen kräftigen Stängel an dem viele kleine Äste wachsen, von denen sich bald Stecklinge machen lassen.

Urte Langer

 

 

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